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Die Alraunen


2018
Die Alraunen


Die Alraune wurde im Klassischen Altertum als Heilpflanze mit magischen Kräften betrachtet. Vor allem ihre Wurzeln galten als mit Zauberkraft versehen und waren in der damaligen Zeit sehr begehrt. Besondere magische Kraft und Anziehungskraft vermittelte die Alraune durch ihre Form, die der des Menschen stark ähnelte. In Wirklichkeit befinden sich in den Alraunen sehr giftige Inhaltsstoffe, die für den Menschen schädlich und mitunter sogar tödlich sind.
Heilwirkung wurde ihr zugesprochen bei Schmerzen, Schlafstörungen, Menstruationsschmerzen, Anwendungen bei Asthma, Depressionen, Kopfschmerzen und vielen anderen Symptomen. Die Alraune gehört zu der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) gleich wie die Kartoffel und die Tomate.

Die Alraune wird heutzutage nicht mehr im Katalog der Heilpflanzen geführt, gelegentlich aber in geringen und hochverdünnten ungefährlichen Dosen in der Homoöpathie verwendet.



“Wurzel Alraune“

Aus der Kulturgeschichte der Alraune



Als Pflanze fand die Alraune schon im Altertum Anwendung und Verehrung. In babylonischer Zeit auf Keilschrift (ca. 2000 v. Chr.) verewigt, sowie in Ägyptischer Zeit auf einer der ältesten Schriften überhaupt, dem Papyros Ebers (ca. 1.600 v. Chr.) wird die Pflanze als Heilmittel gegen diverse Schmerzen wie zum Beispiel Zahnweh geführt und als Heilmittel angewendet. Im Papyros Ebers sind auch gynäkologische Tipps bis zur Empfängnisverhütung angeführt, inklusive einer Anleitung mit Zaubersprüchen, die den Heilungserfolg gewähren soll.
In der mythologischen Deutung werden die goldenen Äpfel der Aphrodite (der berühmte „Zankapfel“, bzw. „Erisapfel“ von der Göttin Eris, die den „Apfel“ vor Aphrodite, Athene und Hera warf) als Frucht der Alraune vermutet.

“MedizinischerTraktat“

"Mercurela"(Bingelkraut);"Mandragora" (Alraune), mit einer in einer Felsenspalte steckenden Wurzel in Gestalt eines bärtigen Mannes, ein davonlaufender Hund entwurzelt die Pflanze, auf der Anhöhe daneben steht ein Mann, neben ihm liegt die Harke, mit der er die Wurzel ausgegraben hat.

Von Plinius dem Älteren (geboren im Jahr 23 oder 24 in Novum Comum, dem heutigen Como, gestorben 25. August 79 am Golf von Neapel während des Vesuvausbruchs), der sich nicht nur durch seine „Naturalis historia“, einem frühen enzyklopädischem Werk zur Naturkunde, verewigte, stammt der Name „Mandragora circaea“, der damit seine Vermutung zum Ausdruck bringt, es handle sich bei der berühmten Moly der Kirke um eine Alraune. Moly war in der griechischen Mythologie die Bezeichnung für zauberwirksame Pflanzen. Botaniker der Renaissance wiederum gehen von anderen Pflanzen als der Alraune aus. In jedem Fall beschreibt Plinius die medizinische als auch psychoaktive Wirkung der Alraune.

Hildegard von Bingen vermutet, dass die Alraune aus der gleichen Erde aus der Adam geschaffen wurde, stammt, da auch sie eine menschenähnliche Form aufweist. Sie befürchtet jedoch „teuflische Einflüsterungen“ durch die Anwendung, die nur durch vorheriges Reinigen in einer Quelle abgewehrt werden können.
Im Gegensatz zu vielen anderen Meinungen, die die Alraune eher als Fruchtbarkeitsförderung und als Aphrodisiakum sehen, empfiehlt Hildegard von Bingen, diese als Minderung eines zu starken Geschlechtstriebes anzuwenden und meint, Männer mögen weibliche Pflanzen anwenden und Frauen eine männliche.

“Fructus Mandragore“
Fructus Mandragore, Alraunwurzel in halber Menschengestalt mit geschlossenen Augen.

“Hildegard von Bingen“
Bildnis Hl. Hildegard von Bingen (1098 - 1179)

“Wenzelsbibel“
Wenzelsbibel, Rachel und Lea mit der Alraune, Jakob schläft mit Lea.
Zierranken und Rankenmedaillons

Im Mittelalter wurde die Alraune weiters häufig als Betäubungsmittel eingesetzt. Mit der Alraunenwurzel setzte man Tee aus ihrer und anderen Pflanzen an und tropfte diesen auf einen Schwamm, den man dem Patienten unter die Nase hielt, bis er einschlief. Nach der Operation wurde der Patient mit Düften aus Fenchel wieder aufgeweckt.

So wie auch das Alraunenpaar "Marion und Thrudacias" aus der Kunstkammer Rudolfs II. wurden die mit schwarzen Samtmänteln bekleideten Wurzeln regelmäßig in Wein gebadet, um ihre Zauberkraft nicht zu verlieren. Wurde dies unterlassen, sagte man ihnen ein jämmerliches Weinen wie bei kleinen Kindern nach. Bei dem Alraunenpaar Marion und Thrudacias wurde das traditionelle Bad noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts durchgeführt.

Marion und Thrudacias (um 1600) sind noch bis 29. März 2018 im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek zu sehen.

“Alraunenwurzel“
Alraunen Wurzel

“Alraunen Kruzifix“
Alraunen Kruzifix, Siehe Text unten

“Eppendorfer Alraune“
Die Eppendorfer Alraune, vor 1480, 17. Jahrhundert (Perlenkrone)

Bildtext zu dem Alraunen Kruzifix

Eine Alraune bestand zumeist aus der Wurzel der Mandragora officinalis, eines giftigen Nachtschattengewächses des Mittelmeerraumes, aus derjenigen des Allermannsharnischs, des Gelben Enzians oder anderer Pflanzen. Ihre zumeist doppelt gespaltene Wurzelspitze und die Nebenwurzeln im oberen Teil erinnern an einen menschlichen Körper mit Armen und Beinen. Vor allem ab dem 15. Jahrhundert wurden Alraunen weithin sehr geschätzt. Der Glaube an ihre Auswirkung auf den Menschen beruhte auf der so genannten Signaturenlehre. Diese besagte, dass die äußere Gestalt von Pflanzen oder Mineralien deren Wirksamkeit signalisiert. So konnte beispielsweise die rote Farbe einer Blüte oder eines Pflanzensaftes als Hinweis darauf dienen, dass eine Wirkung auf das Blut gegeben war. Sieht man die menschengestaltige Wurzel der Alraune als Hinweis auf ihre medizinische Verwendbarkeit, so musste sie ein auf den ganzen Menschen einwirkender heilender Talisman sein. Andererseits war etwas Menschengestaltiges, das in der dunklen Erde lebte, dem Bereich des Dämonischen zuzurechnen. Daraus ergab sich die Vorstellung, die Wurzel sei ein Pflanzendämon, der einen schrecklichen Schrei ausstoße, sobald er aus der Erde gezogen wurde. Dieser Schrei galt für jeden, der ihn hörte, als tödlich, doch konnten sich Wurzelgräber etablieren, die dieser Gefahr mit speziellen Methoden begegneten (vgl. Dressendörfer 2003, 19–22). Diese Wurzel in Form eines Kruzifixes wurde etwas zurechtgeschnitzt und mit Trieben von Gräsern als Haaren versehen, die man vermutlich direkt an der erneut vergrabenen Wurzel sprießen ließ. Eine ebenfalls kruzifixähnliche Wurzel, die Alraune von Eppendorf, befand sich in der Kunstkammer Kaiser Rudolfs II. in Prag, in der es auch ein als Männchen und Weibchen gekleidetes Alraunenpärchen gab. Persönliche Betreuung wie Kleiderwechsel und das Baden in Wein sollten die dem Pärchen innewohnenden Geister bei Laune halten. Die rote Verfärbung dieser Alraune dürfte demnach vom Baden in Rotwein herrühren. Auch der ansonsten okkulten Praktiken gegenüber nicht sehr aufgeschlossene Erzherzog Ferdinand II. verwahrte im 15. Kasten seiner Kunst- und Wunderkammer ein Alraunenpärchen in unmittelbarer Nähe zu einem geschnitzten Drachen und Manna.