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Samstag, 2. November 2019



Freitag, 28. Juni 2019


Donnerstag, 29. August 2019 um 13:16:10 von Kulturpool Redaktion

Kulturerbe Wachau

Anlass
Anlass: Weltkulturerbe

Die WACHAUdie fortbestehende Landschaft

Im Jahr 2000 wurde die Wachau in der Kategorie „Kulturlandschaft“ in die UNESCO Liste für Weltkulturerbe aufgenommen. Damit trägt diese Region ein spezielles Siegel, das sie inzwischen mit 1120 anderen Städten in 167 Ländern der Welt teilt (Stand: Herbst 2019). Das Land Österreich verpflichtet sich durch seine Aufnahme, diesem verbindlichen Status Rechnung zu tragen und im Sinne der Welterbe-Konvention die jeweiligen Stätten und Denkmäler zu bewahren und zu schützen. Als verantwortliche Instanz gegenüber der UNESCO tritt das Bundeskanzleramt auf und übernimmt Überwachung und Umsetzung der Konvention mit Unterstützung der UNESCO Kommission sowie für die Wachau auch von der Kulturabteilung des Landes Niederösterreich. Die besonderen Merkmale und die charakteristischen Erscheinungsbilder sollen durch nationale Schutzmaßnahmen und entsprechende Pflege, Verwaltung und Umsorgung für zukünftige Generationen erhalten werden. Seit 1992 ist Österreich ein Teil der Konvention, bis dato sind in Österreich 10 Stätten in die Welterbeliste aufgenommen worden.

https://www.unesco.at/kultur/welterbe/unesco-welterbe-in-oesterreich/

„Die Wachau wird im Sinn der Richtlinien als fortbestehende Landschaft gesehen, welche nach wie vor von einer Kultur geprägt wird und ihre traditionelle Lebensweise fortführt. Kultur und Landschaft beeinflussen einander nach wie vor und tragen das Ihre zur laufenden Entwicklung der Landschaft bei“ (www.weltkulturerbe-wachau.at)


"Wachau"
Gustav Jahn, (Österreich, 1879 - 1919)
K. K. Hof- und Staatsdruckerei Wien (Druck) (Österreich, 1804 - 1918)
Aus der Plakatsammlung der Albertina


"Das Schwedentor bei Spitz/Wachau, Rotes Tor"
Ulf Seidl/ Würthle & Sohn
Aus der Topographischen Sammlung der Niederösterreichischen Landesbibliothek

Um den Begriff „fortbestehende Landschaft“ etwas zu verdeutlichen, darf erzählt werden, dass sich die Bezeichnung Wachau (in der Schreibweise Vuachoua) bereits in einer Urkunde Kaiser Ottos I. aus dem Jahr 972 finden lässt. Zeugnisse menschlicher Besiedelung lassen sich weit über das frühe Mittelalter und die Römerzeit hinaus nachweisen, denn die zwei ältesten Fundstücke des Landes, die jeweils um die 30.000 Jahre alte Venus von Willendorf sowie die Venus von Galgenberg wurden beide bei Ausgrabungen in der Wachau entdeckt. Durch ihr mildes Klima übt die Wachau seit Jahrtausenden den besonderen Reiz eines günstigen Lebensraums auf ihre BewohnerInnen aus, der zu ihrer nachhaltigen und fortbestehenden Besiedelung beitrug.


"Spitz Rotes Tor mit Durchblick auf den Bildstock"
Spitz an der Donau
Österreichische Lichtbildstelle
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek/ Lichtbildstelle

Zu den Voraussetzungen einer „fortbestehenden Landschaft“ meint der mit Fragen des Welterbes sich befassende internationale Experte der ICOMOS Henry Cleere:

"Eine Landschaft, die zum Zeitpunkt ihrer Eintragung in die Welterbeliste in ihrem damaligen Zustand "eingefroren" ist, kann logischerweise gar keine "fortbestehende Landschaft" sein." Daraus folgt, dass eine Auszeichnung als Welterbe gelebt werden muss. Eine Eintragung in die Liste des Welterbes ist mit keinerlei Gesetzes- oder Verordnungscharakter verbunden, es werden keine neuen Kompetenzen eingeführt. Das bisherige Regelwerk auf bundes- und landesgesetzlicher Ebene bleibt vollinhaltlich aufrecht. (www.weltkulturerbe-wachau.at)

Die Wachau wurde bereits 1955 zum Landschaftsschutzgebiet erklärt! Dies sind neben natur- und umweltschutzbezogenen Überlegungen auch Maßnahmen, um einen wirtschaftlichen Aufschwung vorwiegend durch Tourismus zu erwirken. Es zählt das allgemeine Erscheinungsbild, eine Art Ensembleschutz mit geringeren Auflagen wie in der Kategorie Naturschutz, dafür meist großflächiger angelegt. Der Flächenumfang der Wachau bemisst sich mit ca. 20.000 Hektar, davon nimmt ca. 10% der Flächen der für die Region essenzielle Weinanbau in Anspruch.


"Weinbergoaß für ein Wachauer Winzerfest"
Brühlmeyer, Hermann, 1950
Österreichische Lichtbildstelle
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek/ Brühlmeyer


"Weißenkirchen in der Wachau"
Wiener Werkstätte
Aus der Topographischen Sammlung der Niederösterreichischen Landesbibliothek

Die Wachau - ein Durchbruchstal


"Burg Aggstein an der Donau"
Hans Lutonsky
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek/ Lutonsky

Die Wachau erstreckt sich über 36 Kilometer entlang des Donauverlaufes von dem Westen bei Melk bis in den Osten bei Stein und Mautern. Danach fließt die Donau durch das angrenzende Kremstal und Tullnerfeld. Ein weiteres besonderes Merkmal der Wachau ist der Schnitt des Donauflusses durch die Südspitze der Böhmischen Masse. In der Geologie nennt man eine Einkerbung, die ein querender Fluss durch einen Bergzug zieht, ein Durchbruchstal. Der Wachauer Abschnitt der Donau ist ein solches, denn die Ausläufer der Böhmischen Masse beim Dunkelsteinerwald sind durch den Fluss im Nordosten vom Waldviertel getrennt, das Teil dieses Gebirgszuges ist und somit eine Grenze zu einer weiteren niederösterreichischen Viertellandschaft darstellt: dem Mostviertel im Südwesten.

Neben der Kulturlandschaft Wachau sind auch die Benediktinerstifte Melk und Göttweig sowie die Altstadt Krems als Weltkulturerbe in die Liste aufgenommen worden.


"Jacob Mayer, Schweiz, in Wien tätig um 1827-1832"
Aquarell, über Bleistift
Aus der Graphischen Sammlung der Albertina Wien


"Dürnstein an der Donau / Wachau / Niederösterreich"
Lorenz Janscha (Künstler_in) (Radmannsdorf (Krain) 1749 - 1812 Wien)
Johann Ziegler (Stecher_in) (Meiningen um 1750 - um 1812 Wien)
Aus der Graphischen Sammlung der Albertina Wien


"Dürnstein an der Donau / Wachau / Niederösterreich"
Risch-Lau
Aus der Sammlung Risch-Lau der Vorarlberger Landesbibliothek

Eine ganze Palette an landschaftlichen und kulturellen Reizen hat sich in dieser Gegend zusammengefunden, die verstehen lassen, warum diese Landschaft über Jahrtausende ihre Anziehungskraft auf den Menschen nicht verloren hat. Die von den Römern bereits überlieferten Techniken des Weinanbaus haben sich über Jahrhunderte weiterentwickelt, begünstigt durch die milden klimatischen Gegebenheiten, dem besonderen Boden mit seinen charakteristischen Weinterrassen auf den mit Höhen von rund 200 Metern sehr niedrig und für eine nachhaltige Bewirtschaftung und Pflege günstig gelegenen Hängen. Auch diese Art von überlieferten Kultur- und Keltertechniken darf man zum Kulturerbe zählen, dem Immateriellen.

Ähnliches gilt neben der Traube auch für die Marille, Apfel und weitere Obstsorten, die in der Wachauer Gegend ihren speziellen Geschmack entfalten und in den verschiedensten Veredelungen und Bearbeitungen auf den Märkten nachgefragt werden. Der Obst- und Weinanbau ist seit Jahrhunderten hier eben auch ein Wirtschaftsfaktor. Auch das eine Art Auszeichnung und Garantie für eine „fortbestehende Landschaft“.


"außerhalb Hundsheim a. d. Donau, Wachau"
Stoitzner
Aus der Topographischen Sammlung der Niederösterreichischen Landesbibliothek

Die markanten schroffen Felsen, das gewundene Donautal, die seit der Römerzeit über das frühe Mittelalter entstandenen Wehrtürme, die mittelalterlichen Burgen und Festungen, die imposant gelegenen barocken Benediktiner-Stifte sowie die Felder und Obstgärten, die den Landschaftszug auszeichnen, ergeben ein beeindruckendes Ensemble.

Die Wachau - Seit 30.000 Jahren ein Anziehungspunkt

Seit der Steinzeit lebt der moderne Mensch in der Wachau. Die beiden ältesten Kunstwerke aus Österreich mit ihren Fundstellen in der Wachau bezeugen, dass diese Region bereits vor 30.000 Jahren im sogenannten Jungpaläolithikum (von griech. παλαιός (palaios) „alt“ und λίθος (lithos) „Stein“, der Zeitraum von vor etwa 40.000 Jahren bis zum Ende der letzten Eiszeit um etwa 9700 v. Chr.) einen nachhaltigen Lebensraum für menschliche Besiedlung geboten hat.

In der bisherigen Forschung stellt dies die Zeit der Einwanderungswelle des anatomisch modernen Menschen (homo sapiens) in das zuvor nur von Neandertalern bewohnte Europa dar. Die zwei figürlichen Frauendarstellungen, die Venus von Willendorf und die Venus vom Galgenberg stammen aus dieser Zeit. Es heißt, dass sich der moderne Mensch sehr rasch über ganz Europa verbreitet hat, diejenigen, die es in die Wachauer Gegend verschlagen hat, wollten anscheinend von dort - aus inzwischen verständlichen Gründen - nicht mehr weg- oder weiterziehen.

(Zu dem Thema der ersten Einwanderungswelle des homo sapiens nach Europa beschäftigen sich derzeit einige europäische Forschungsgruppen. Ihre These geht davon aus, dass der moderne Mensch bereits viel früher, schon vor 150.000 Jahren nach Europa gekommen sein soll)


"Venus von Willendorf" und "Venus von Willendorf, Rücken"
Kultfigur aus der Wachau (25.000 v. Chr. entstanden, 1908 von Archäologen ausgegraben)
Szombathy, Josef, 1908
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek/ Szombathy

In jedem Fall stellt die aus Kalkstein geformte Wachauer Venus einen phänomenalen Fund dar, wie auch in der Beschreibung des Naturhistorischen Museum Wiens, das die Venus von Willendorf aufbewahrt, zu lesen ist:

Das bedeutendste Sammlungsobjekt des gesamten Hauses und zugleich einer der berühmtesten archäologischen Funde der Welt ist die ca. 29.500 Jahre alte Venus von Willendorf. Sie wurde am 7. August 1908 bei Ausgrabungen unter der Leitung von Josef Szombathy, dem damaligen Kurator der Prähistorischen Sammlung des k. und k. Naturhistorischen Hofmuseums, und den mit der Durchführung der Ausgrabung betrauten Prähistorikern Hugo Obermaier und Josef Bayer im niederösterreichischen Willendorf in der Wachau gefunden. Die 11 cm hohe, mit Rötel gefärbte Frauenfigur wurde beim vorsichtigen Untersuchen eines Fundhorizontes vom Arbeiter Johann Veran entdeckt. (Naturhistorisches Museum)


"Willendorf i. d. Wachau"
Hugo Darnaut
Lösswand bei Willendorf
Naturhistorisches Museum Wien


"Willendorf i. d. Wachau"
Die Fundstelle der "Venus I" (vordere Figur) und "Venus II" (hintere Figur) vor Beginn der Grabung 1927
Aus der Topographischen Sammlung der Niederösterreichischen Landesbibliothek

Was die Figur eigentlich darstellen soll, ist in der Forschung umstritten. Ob Erotika, Fruchtbarkeitssymbol und Götterstatue, hier scheiden sich die Geister. Ganz klar jedenfalls als Frau dargestellt, darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Deutungen. Eine ganze Reihe weiterer relativ vollständiger Statuetten wurden in den 1920er und 1930er Jahren unter anderem in den Pyrenäen (Frankreich), Kostienki (Russland) und in Mähren (Tschechien) gefunden. Die Venus von Willendorf gehört jedoch zu den bekanntesten aller Venus-Figuren.

"Die Venus ist wissenschaftlich ein wertvoller Fund, weil wir das Gefühl haben, über sie in die Gedankenwelt der eiszeitlichen Menschen eindringen zu können - was uns natürlich nur in sehr bescheidenem Maße gelingt", so Antl-Weiser.

Wachau in der Sommerfrische

In Italien spricht man von „prendere il fresco“ (die Frische= eine Abkühlung nehmen), plant man einen Spaziergang. Der deutsche Begriff „Sommerfrische“ leitet sich angeblich aus dem Südtiroler Raum ab, wonach die BürgerInnen des sommerlich heißen Talkessels Bozen in den hitzigen Sommermonaten auf ihren Hausberg, dem Ritten, zogen, dort ihre Häuser bauten, die in der Kühle des Mittelgebirges den Sommer erträglich werden ließen.

„frisch(e), f. ebenda, das in diesem sinne schon aus dem 17.
jahrh. bezeugt ist: wo die statt Bozen ire refrigeria oder frischen halten.“

Aus dem Wörterbuch der Brüder Grimm

Als Zielpunkt für den seine Sommerfrische suchenden Gast ist die Wachau schon seit über 100 Jahren eine beliebte Destination.
Das milde Klima, der gute Wein, das frische Obst, die vielen Möglichkeiten der Erkundungen der Gegend mit seinen geschichtlich interessanten Orten, einigen spannenden Kunstinstallationen, der Vielzahl an Fortbewegungsvarianten wie Rad, Schifffahrt und Fähre oder Wanderwege laden ein, diese besondere Kulturlandschaft tageweise, übers Wochenende oder auch über einen längeren Zeitraum besser kennenzulernen.

Die vielen Weingüter und Gasthöfe versprechen auf vielfältige Weise die gewonnenen Eindrücke zu vertiefen und zu verinnerlichen. Eines der wichtigsten Kulturgüter der Wachau ist seit Jahrhunderten der Wein.

Die Römer kamen, säten und kelterten

Es waren die Römer, die das Wissen rund um das Handwerk des Weinbaus, wie das Veredeln und Kultivieren sowie das Können, Rebstöcke zu bearbeiten in die Gegend brachten.


"Der heilige Serverin heilt den Sohn eines Edelmannes vom Hof des Rugier-Königs Flaccitheus"
Feder- und Pinselzeichnung in Braun mit Weißhöhungen von Karl Ruß
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Die „Gedenkschrift“ (Commemoratorium) des Hl. Severin, die als Vita Severini eine wichtige Quelle des römischen-frühmittelalterlichen Alltags darstellt und Dank seines Schülers Eugippius im Jahr 511 n.Chr. vollendet wurde, bietet eine Vielzahl an Informationen über das Leben in dieser Gegend zur Zeit des Frühmittelalters. Er berichtet von Rebkulturen und dem Weinbau in der Wachau. Er erzählt von Wochenmärkten der Rugier am nördlichen Donauufer gegenüber „Favianis“, dem heutigen Mautern. Die Rugier waren ein ostgermanisches Volk, das in der Gegend siedelte. Die Römer wohnten in dieser Zeit in befestigten Siedlungen, die aus ehemaligen Kastellen weiter- und umgebaut wurden, um Schutz vor den einfallenden Germanengruppen zu finden. Vor deren Mauern beschreibt der Hl. Severin befanden sich Viehweiden, Felder, Obst- und Weingärten.

Später bauten die großen bayrischen Klöster in vielen Wachauer Ortschaften ihre Lesehöfe. Auch heute noch erinnern die Namen mancher Winzerhäuser an den geschichtlichen Ursprung: Die Erinnerung an das Wirken des Bistums Freising lebt im Freisingerhof fort, Kartäuser und Klosterhof beschreiben auch ihre ursprüngliche Zugehörigkeit sowie viele weitere Höfe ihren Ursprung noch im Namen festschrieben finden.


"Weinbauer in der Wachau"
Rudolf Spiegel, 1938
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Wichtige Ortschaften sind Spitz, Mautern, Rossatz, Dürnstein, Weißenkirchen, Loiben, Joching und Wösendorf, die auf eine Weinanbaufläche von 1.344 Hektar kommen. Die bekanntesten Rebsorten sind der Grüne Veltliner und der Riesling. Über 200 Betriebe sind dem Weinbau verschrieben und produzieren vor allem drei Marken, die sich je nach natürlichem Alkoholgehalt gliedern lassen in die „Steinfeder“ (nach „stipa pennata“, dem Federgras), ein duftiger Leichtwein bis 11, 5 %, weiters die klassische Kategorie der „Federspiel“ (11,5 bis 12,5% Alkohol) sowie der „Smaragd“ (ab 12,5% Alkohol), dem kraftvollen Reservewein. Diese Weine werden ausschließlich trocken und ohne Barriqueeinsatz ausgebaut.

Die Wachauer Nase - Immer der Nase nach:

Von Weißenkirchen nach St. Lorenz gibt es vor allem eine Verbindung: Eine über ein Drahtseil sich über die Donauströmung zum Ufer ziehende Fähre. Die Kraft des Stromes wird erfahrbar und in ein paar Minuten erreicht man die andere Uferseite. Ein Erlebnis für sich.


"Wachau"
Holzflossbau in der Wachau mit Blick stromaufwärts
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

An der Fährstation St. Lorenz angekommen, begrüßt den Gast eine übernatürlich große Nase, die aus der Erde herausragt. Diese Nase ist eine Kunstinstallation der Gruppe Gelatin und lässt eine Vielzahl an Deutungen und Inspirationen in die Sinne kommen.
Für Geschmacksbestimmungen wie der Blume des Weines braucht es eine gute Nase. Auch die unterschiedlichen Düfte der jeweiligen Jahreszeiten sollen bewusster erfasst werden können, in dem das übergroße Riechorgan allein durch seine Präsenz den Passanten anregt, sich auf in der direkten Umgebung verorteten Gerüche und Düfte zu konzentrieren. Dank der überdimensionalen Größe ist die Nase sogar begehbar und lässt sich auch von innen erforschen. Wenn die Donau mal wieder durch Regen oder andere Einflüsse etwas über die Ufer wächst, lässt sich ein Nasenrinnen des Kunstobjektes nicht vermeiden.

Die Form der Nase ist angeblich dem Sohn des Rossatzer Bürgermeisters nachempfunden mit Einflüssen der Nasenformen einer Hamburger Touristin. Eine Hybridnase als Erfolg eines Nasen-Castings mit mehr als 70 Nasen in Begutachtung.


"Nase in St Lorenz"
_https://www.kremskultur.at/de/912-2/_


"Wachauer Nase, Gelatin"
Alice Stori, Blogposting


"Wachauer Nase, Gelatin"
Alice Stori, Blogposting

Es gilt also einiges zu erleben in der Kulturlandschaft Wachau und im Anschluss versteht man das Gütesiegel „Weltkulturerbe“ auf vielen Ebenen anerkennend zu schätzen und zu würdigen. Allein auf einem Sofa durch die Landschaft zu ziehen, könnte eine weitere besondere Form der Wahrnehmung darstellen, um all die Eindrücke aus der Perspektive eines genießend-beobachtenden Auges aufzunehmen.
Hierzu müsste man den Künstler Josef Trattner anfragen, der bekannt ist für seine heimischen und internationalen Sofafahrten, ob er bereit wäre, eines seiner Sofas an der Donau entlang zu führen, was er in regelmäßigen Abständen auch tut.

https://www.kunsthalle.at/de/ausstellungen/13-josef-trattner-donau-sofa-projekt

Seit 2004 bereist Josef Trattner mit seinem rosa gefärbten Schaumstoffsofa europäische Länder wie Rumänien, Bulgarien, Polen und die Türkei. Das Sofa fungiert als Plattform, als Begegnungsort, auf dem der Künstler mit unterschiedlichen geladenen Gästen aus der Kulturszene Gespräche über Leben, Gemeinschaft und Kultur führt. Das Sofa wird zur sozialen Plastik in der Stadt und der Landschaft. Man könnte Trattner als einen nomadischen „SoFisten“ bezeichnen.

Mit dem Begriff des „Sophisten“ wurden im 5. Jahrhundert v. Chr. Wanderlehrer bezeichnet, die ihre Schüler auf humanistischer Weise Rhetorik, Politik, Philosophie und Ethik lehrten. So hat Josef Trattner 2016 seine Sofa-Fahrt am Donauweg vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer flussabwärts absolviert. Eine Sofa-Flussanlegestelle ist auch Krems gewesen.

Im Rahmen der im Sommer 2019 ausgerichteten Ausstellung Land Art in der Kunsthalle Krems (14.07.–03.11.2019) wird das Donau-Sofa-Projekt mit Film- und Fotodokumentationen präsentiert, begleitet mit Sofa-Veranstaltungen in der Kremser Donau-Region. (Text. Kunsthalle Krems)


"Josef Trattner, Sofafahrten"
Kunsthalle Krems