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Dienstag, 18. September 2018


Donnerstag, 29. November 2018 um 09:33:38 von Kulturpool Redaktion

Sprichwörter zur Zeit Bruegels Teil 2

Anlass
Sprichwörter zur Zeit Bruegels


Niederländische Sprichwörter, Pieter Bruegel, Europeana, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Berlin

Die niederländischen Sprichwörter oder auch die flämischen Sprichwörter enthalten mehr als 100 Redewendungen, die zum guten Teil heute noch geläufig sind.

Das 1559 entstandene Ölgemälde „Die Niederländischen Sprichwörter“ von Pieter Bruegel dem Älteren wird gerne neben dem auch 1559 entstandenen Bild „Kampf zwischen Fasching und Fasten", sowie dem 1560 entstandenen Gemälde „Kinderspiele“ als sogenanntes „Wimmelbild“ bezeichnet.

Der Begriff ist bis heute üblich für Bilderbücher, die charakteristischerweise meist auf deutlich dickerem Papier bzw. Karton gedruckt sind, überdimensionierte Formate aufweisen und die mit möglichst vielen Einzelheiten, bei denen es von Eindrücken und Szenen nur so „wimmelt“, den Lesenden in ihre bebilderte Welt entführen.
Ein weiteres Kriterium ist die aufgezeigte Perspektive, die dem Betrachter eine Übersicht über das Geschehen vermitteln soll. Der Horizont ist meist hoch angelegt und schafft einen Blick über einen weiten Raum, um möglichst viele detaillierte Szenen erfassen zu können.

Pieter Bruegel verarbeitet in seinen Wimmelbildern eine Vielzahl an Figuren und Details, wie eben eine Sammlung an Sprichwörtern oder eine bildliche Aufzählung von Kinderspielen. Auf dem Gemälde „Kinderspiele“ zeigt er 230 Figuren und zitiert über 90 Kinderspiele. Einige wie „Blinde Kuh“ sind über die Jahrhunderte bis heute beliebte Kinderspiele geblieben. Andere der aufgezählten Spiele sind mitunter in Vergessenheit geraten und deren Spielverlauf nicht mehr nachvollziehbar.

Auch wie im Teil 1 beschrieben, sind eine Vielzahl von den „Niederländischen Sprichwörter“ bis heute noch selbst im Alltagsgebrauch in der deutschen Sprache vorzufinden.

In diesem Gemälde lassen sich anhand zig-facher Szenen die unterschiedlichsten Sprichwörter ausfindig machen, die Lebenssätze beschreiben, die in heutiger Form und Sprache immer noch Anwendung und Ausdruck finden und eben vielleicht auch durch dieses Werk und dessen Rezeption weiter im Sprachgebrauch geblieben sind.

Die Niederländischen Sprichwörter


Erläuterungen mit Zahlensystem zu den Niederländischen Sprichwörtern, Wikipedia

Ein paar weitere Beispiele mit Details aus Bruegels "Niederländische Sprichwörter":


1 Den Teufel aufs Kissen binden
Durch Starrköpfigkeit selbst den Teufel überwinden


2 Ein Pfeilerbeißer
Jemand ist ein scheinheiliger Heuchler


3 Sie trägt Feuer in der einen, Wasser in der anderen Hand
Jemand ist eine doppelzüngige Person


4 An einem Fuß einen Schuh, der andere barfuß
Gleichgewicht ist entscheidend


5 Scher sie ab, doch schinde sie nicht
Opfere nicht für einen kurzfristigen Vorteil die Erträge der Zukunft;
suche nicht um jeden Preis deinen Vorteil

oder:

5 Man muss das Schaf scheren, um seine Wolle zu haben
Man muss eine Arbeit tun, um den Lohn zu erhalten


15 Sich an der Seite des Geldbeutels festhalten
Liebe hängt auf der Seite des Geldbeutels; sich an finanziellen Vorteilen orientieren


17 Er geht von einem Brot zum anderen
Mit seinem Geld nicht auskommen

Für das vertiefende Entdecken von Details in den Werken Bruegels hilft eine im Rahmen eines großangelegten Forschungsprojektes sehr interessante Website - "Inside Bruegel“.

Auf dieser Website lässt sich vertiefend Einblick in einige aus der Sammlung des Kunsthistorischen Museum Wiens wesentliche Werke Bruegels gewinnen und grundlegende Details sowie Herangehens- und Malweisen Bruegels erkennen.

Unter Zuhilfenahme unterschiedlicher „Lupen“ wie der Makrofotografie, Makroinfrarotfotografie, Infrarotreflektografie oder Röntgen lassen sich eine besondere Auswahl an Bruegel-Klassikern mit einer jeweils auf unterschiedliche Details aufmerksam machenden Methode erforschen.

http://www.insidebruegel.net/

„Inside Bruegel“ eröffnet einen kostenfreien Zugang auf hochaufgelöste digitale Bilder zu zwölf seiner ganz besonderen Gemälde.

Das Projekt entstand in Kooperation mit der Getty Foundation, die mit ihrer Panel Paintings Initiative vor allem KonservatorInnen sowie gleichzeitig auch als Ausbildungsprojekt aufgesetzt jungen RestauratorInnen eine intensive Auseinandersetzung mit ausgewählten Werken ermöglicht.

Der Fokus setzt auf die systematische Untersuchung des Schaffensprozesses, Materialwahl und diverse Maltechniken sowie die Veränderung der jeweiligen Werke über die letzten Jahrhunderte. Sehr spannende Erkenntnisse resultierten aus diesem Verfahren und können so erstmals einer Öffentlichkeit erzählt und vermittelt werden.

Die langfristige Forschungsinitiative über das Kunstschaffen Pieter Bruegels d. Ä. legt das Hauptaugenmerk auf Tafelkonstruktion, Maltechnik, Materialgeschichte, die kunsthistorische Aufarbeitung und Provenienz der Werke.

Die unterschiedlichen „Lupen“:

In der Gemäldeuntersuchung nutzt man die Infrarotfotografie und Infrarotreflektografie, um unter die Oberfläche der Gemälde zu schauen und Unterzeichnungen unter den Malschichten sichtbar zu machen.

Röntgenaufnahmen, um den Bildträger, also beispielsweise das bemalte Holz, die Grundierung und die verwendeten Farbpigmente zu untersuchen. Röntgenfluoreszenzanalyse, um die qualitative und quantitative Bestimmung der elementaren Zusammensetzung zu ermöglichen. Dies trägt auch zur Bestimmung der verwendeten Farbpigmente bei.
3D-Kartierung, um die Gemälde genauestens zu vermessen und räumlich darzustellen.

Die Kombination der Ergebnisse aus all diesen Untersuchungen machen Bruegels Arbeitsweise nun viel besser nachvollziehbar. So wurden zum Beispiel Veränderungen an Bruegels Bildkompositionen erkannt, die der Künstler auch noch im weit fortgeschrittenen Malprozess gemacht hat.

Leicht lässt es sich so in die detailreichen Szenen Bruegels „zoomen“, um auf Besonderheiten und Feinheiten seiner Kunstfertigkeit zu stoßen.

Die Möglichkeit mit diesen Hilfsmitteln in die vielen kleinstteiligen Szenen im Werke Bruegels einzutauchen, soll neben Experten auch Kunstinteressierte inspirieren eigene Forschungsmomente zu erleben und in diversen Szenen besondere Details zu entdecken.

Das 1565 entstandene Gemälde „Die Jäger im Schnee“

Jäger im Schnee
Die Jäger im Schnee, aus der Sammlung des Kunsthistorischen Museum Wiens

Durch Verwendung des Rasters „Makrofotografie“ lassen sich auch bloß 1cm große Kleinstszenen und Vignetten (siehe unten) verfolgen, wie etwa das Hintergrundmotiv eines Jägers, der auf Enten schießt.

Jäger im Schnee, Detailaufnahme


Hochauflösende Aufnahmen ermöglichen das Fokussieren auf einen Teil des Gemäldes.

Mit Infrarotreflektografie

Ausgewählte Details werden parallel in sichtbarem Licht, Infrarotreflektografie und Röntgenaufnahmen dargestellt.

Mit Röntgentechnik

In diesem Beispiel können BetrachterInnen erkennen, dass der vordere Jäger nicht Teil der ursprünglichen Konzeption war. Bruegel setzte ihn auf den bereits gemalten Schnee und Baumstamm auf. Er wurde also erst in einem recht fortgeschrittenen Bildstadium hinzugefügt. Gerade diese Figur fungiert als Repoussoir (siehe unten), denn sie leitet den/die BetrachterIn in das Bild(geschehen) hinein.

Begriffe der Kunstgeschichte

Vignette

Das Wort Vignette leitet sich von „vigne“ der Weinrebe ab und bezeichnet ursprünglich die Kennzeichnung einer Rebsorte am Rande eines Weinbergs und das Etikett einer Weinflasche.
Weiters bedeutet es „Randverzierung“ und „Abzeichen“. Als solches hat es auch Eingang in den heutigen Sprachgebrauch gefunden, wenn wir zum Beispiel an die KFZ Vignette denken. Es lässt sich eben auch als ein Synonym für „Aufkleber“ oder „Siegel“ verstehen. Als Etikette auf der Weinflasche hat sich „Vignette“ auch als Beschreibung für die Randverzierungen auf Druckwerken etablieren können.

In der Porträt-Malerei bedeutet der Begriff Vignette die oft ovale Anfertigung von Miniaturgemälden, die zum Beispiel als Amulett oder als Teile anderer Schmuckstücke getragen wurden. In der heutigen Begriffswelt, wie zum Beispiel als Filteroption von Kameras diverser Smartphone-Programme findet sich Vignette als Bildfilter, der zu den Rändern hin unschärfer wird und Hintergrundelemente am Rand eines Bildes oder Fotos verschwinden lässt. Diese Technik wurde auch schon im 19. Jahrhundert häufig verwendet und auch so bezeichnet.

Repoussoir

Wie bei dem Gemälde „Die Jäger im Schnee“ dargestellt, bezeichnet man den später dazu gemalten Jäger als Repoussoir. Das Wort stammt aus dem Französischen und bedeutet „zurücktreiben“ – repousser. Als künstlerische Technik beschreibt es ein im Vordergrund eines Gemäldes oder heutzutage auch einer Fotografie platziertes Objekt, das sowohl durch übergroße Darstellung als auch durch meist dunkle Farbigkeit (siehe Vignette) im Verhältnis zum Rest der dargestellten Objekte eine Verstärkung des Tiefeneindrucks bewirkt.

Im Gemälde „Die Jäger im Schnee“ ist ein sehr interessantes Detail, das durch die Röntgenanalyse hervorkommt, dass das „Repoussoir“, in diesem Fall der vordere Jäger im Bild nicht Teil der anfänglichen Bildgestaltung war. Figurale Randerscheinungen, die die alleinige Funktion haben, den Blick des Betrachters in die Tiefe zu ziehen, werden als „Repoussoir-Figuren“ bezeichnet. Eine solche stellt der vordere Jäger wohl dar. Er nimmt uns mit in die Tiefe der Bilderzählung.

Diese technischen Tricks sind typisch für Renaissance-Malerei und sollen Raumtiefe vermitteln.

Montag, 29. Oktober 2018 um 11:20:09 von Kulturpool Redaktion

Sprichwörter zur Zeit Bruegels

Anlass
Sprichwörter zur Zeit Bruegels


Niederländische Sprichwörter, Pieter Bruegel, Europeana, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Berlin

Eine kleine Sammlung aus Sprichwörtern aus dem Ölgemälde auf Eichenholz Pieter Bruegel des Älteren aus dem Jahr 1559, ein Jahr nach dem Tod Kaiser Karls V., in dessen Reich die Sonne einst nicht unterging.

Die niederländischen Sprichwörter oder auch die flämischen Sprichwörter enthalten mehr als 100 Redewendungen, die zum guten Teil heute noch geläufig sind.

Zur Zeit Bruegels war es keine Seltenheit Ansammlungen von Sprichwörtern in Druck- oder Kunstwerken darzustellen. Es gehörte fast zum guten Ton und bot Möglichkeiten Inhalte zu vermitteln, die vielleicht in direkter Rede nicht die gleiche Wirkung hätten erzielen können, bzw. aus Vorsichtsmaßnahme einer drohenden Zensur erst gar nicht in Prosa verfasst worden wären. Die Bildhaftigkeit ist ein wesentliches Merkmal des Sprichwortes, welches sich allegorischer Ausdrücke bedient, um Inhalte, Vorstellungen oder Wahrheitsgehalte zu kommunizieren, die in der direkten Rede eben nicht in dem gewünschten und erwarteten Effekt zur Geltung kommen würden.

Erasmus von Rotterdam, geboren vermutlich am 28.Oktober 1466/1467/1469, wahrscheinlich in Rotterdam, gestorben 11./12. Juli 1536 in Basel, hat eine Sammlung von Sprichwörtern und Sprüchen lateinischer Autoren herausgegeben. Die erste Ausgabe erschien im Jahr 1500 in Paris mit dem Titel Collectanea adagiorum („Gesammelte Sprichwörter“).

Der französische Humanist und Schriftsteller der Renaissance Rabelais, geboren ca. 1494, vielleicht aber schon 1483 in La Devinière bei Chinon/Touraine, gestorben am 9. April 1553 in Paris, verfasste ab 1532 den bekannten Romanzyklus mit den Riesen "Pantagruel" und "Gargantua" mit vielen Zitaten, Wortspielen und Sprüchen. „Une plaisenterie rabelaisienne“ ist in Frankreich ein sehr geläufiges Bonmot, das von diesen Bänden entstammt.

Ein besonderes Werk aus dem Opus eines interessanten Vertreters der Renaissancezeit ist die Sprichwort Sammlung von Sebastian Franck aus dem Jahr 1541. Eine Sammlung von fast 7.000 Sprichwörtern, sprichwörtlichen Redensarten und Redewendungen. Teilweise in lateinischer Sprache mit Übersetzung, teilweise mit ähnlichen und adaptierten Sprüchen aus der deutschen Sprache. Im Grunde folgt Sebastian Franck dem Konzept Erasmus von Rotterdams Sammlung "Adagia".

Bruegel soll ein Anhänger Sebastian Francks gewesen sein. Ein sehr interessanter Zeitgenosse, der anfangs als katholischer Priester und Seelsorger wirkte, jedoch sich sehr bald der Reformation anschloss und lutherischer Prediger wurde. Allerdings konnte Luther ihn auch nicht auf Dauer mit seinen Inhalten, Aussprüchen und Taten überzeugen und so entstand der überlieferte Ausspruch: „Ich will und mag nicht lutherisch sein.“ Er lehnt Kirchenstrukturen ab und verfolgt ein universalistisches Denken, das zum Beispiel auch Muslime als Glaubensbrüder anerkennt. Verfolgt von kirchlichen und weltlichen Machthabern, geht er davon aus, dass Gott überall ist. Neben seinen theologischen Ansätzen veröffentlichte er unter diversen Pseudonymen, wie Felix Frei oder Friedrich Wernstreyt, als Schriftsteller, Chronist und Übersetzer eine Vielzahl an Schriften, wie eben auch der Sprichwörter Sammlung.

Franck sah in der Kürze der Spruchweisheiten Indizien einer tiefergelegenen und verborgenen Wahrheit. Zwar hat Franck in seiner Sammlung sehr viele theologisch-philosophische Erörterungen, die in Sprichwörtern verarbeitet wurden, eingebettet, er hielt aber auch heidnisches Sprichwortgut für gleichermaßen wertvoll und für eine Öffentlichkeit gedacht.

"Es ist auch under allen leeren/ menschen urteylen und Sentenzen nicht warers noch gewissers dann die Sprichwörter/ welche die erfarung gelert / auch die natur und vernunfft in aller menschen hertz und mund geschriben und gelegt hat"

"Bey den alten ist unnd heyßt Sprichwort/ eine kurtze / weise klugred/ die summ eines ganzen handels/ gesatz odser langenn Sentenz/ als der kern/ in ein engs sprüchlin unnd verborgen griflin/ gefaßt/ da mehr/ etwa anders verstanden dann geredt wirt."

„Was im Sprichwort <schreibt> ist demnach die natürliche Vernunft, dies freilich so, dass in den „Dicteria“ und „Proverbia“ die Weisheit aller Nationen und Zeiten wie in einem verschlossenen kasten verborgen ist. Die von Franck angestrebte Aktivierung des Lesers und die notwendige Deutungsarbeit des auslegenden Kommentators sind in dieser Metapher angedeutet. Wie auch in früheren Werken begreift Franck programmatisch das Wissen der Wahrheit als Ergebnis einer meditativen Enthüllung. Zum Wesen der Wahrheit gehört ihr Verborgen-Sein. Demgemäß erweisen sich die zentralen ästhetischen Qualitäten der Sprichwörter, ihre brevitas und obscuritas, als Merkmale einer Erkenntnis, die in der diskursiven Rede nur unzulänglich erfasst und weitergegeben werden kann. Die knappe und sehr oft bildliche Ausdrucksform der Sprichwörter signiert einen Überschuss an Bedeutung."
-Sebastian Francks Sprichwortsammlung, Wilhelm Kühlmann

Das Ölgemälde Bruegels "Niederländische Sprichwörter":

In einem belebten und umtriebigen Dorf an der atlantischen Meeresküste gewährt uns Bruegel einen Einblick in das Treiben des Alltags mit all seinen Gewohnheiten und Besonderheiten. Er schildert die Welt, wie sie seinerzeit im Allgemeinen wahrgenommen wurde, als eine sündhafte, böse und närrische. Die menschlichen Untugenden wie Bosheit, Betrug und Selbstbetrug sowie weitere Laster finden in bildlichen Darstellungen ihren Ausdruck. Bruegel ließ sich von Werken wie Erasmus von Rotterdams „Lob der Torheit“ oder von dem „Narrenschiff“ von Sebastian Brant inspirieren. Das reich bebilderte und aufwendig gestaltete humanistische Buch „Narrenschiff“ enthält eine Sammlung mit didaktisch-satirisch dargestellten Lebensweisheiten und beschreibt Missstände, Torheiten und Laster der Welt des 15. Jahrhunderts. Das Buch erschien 1494 in Basel.

Im Bild links an der Hauswand hängend findet sich eine auf den Kopf gestellte Weltkugel, die eine verkehrte und gottlose Welt symbolisiert und den Menschen als gleich einem Narren nur seinem weltlichen Treiben nachgehendem Wesen skizziert. So findet man auch den Teufel im Bildmittelpunkt unter einem blauen Baldachin sitzend, von dem wohl das ganze Unwesen, das Bruegel allegorisch beschreibt, ausgeht. Eine Frau in einem roten Kleid, hängt ihrem Mann einen blauen Mantel um, womit symbolisiert wird, dass diese ihren Mann betrügt. Eine Vielzahl an Szenen vermittelt ein Bild eines amoralischen Treibens im Alltag dieses Dorfes.

Im 17. Jahrhundert wurde das Bild historischen Quellen zufolge auch mit „Der blaue Mantel“ und „Verkehrte Welt“ betitelt.

Nicht zu verwechseln mit einem anderen Werk, das auch den Titel „Verkehrte Welt“ trägt:

Die verkehrte Welt


Jan Steen, Die verkehrte Welt, aus der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museum Wiens

Andererseits lässt sich auch eine Vielzahl an Sprichwörtern anhand zig-facher Szenen ausfindig machen, die Lebenssätze beschreiben, die in heutiger Form und Sprache immer noch Anwendung und Ausdruck finden und eben vielleicht auch durch dieses Gemälde und seiner Rezeption weiter im Sprachgebrauch geblieben sind.

Niederländische Sprichwörter

DIE SPRICHWÖRTER


Erläuterungen mit Zahlensystem zu den Niederländischen Sprichwörtern, Wikipedia

Sprichwörter aus der Zeit Bruegels, die immer noch geläufig sind und als Teil unseres Sprachschatzes anzusehen sind:

Details aus Bruegels "Niederländische Sprichwörter":


Mit dem Kopf durch die Wand gehen
Stur und unbedacht, etwas Unmögliches versuchen


Rosen (Perlen) vor die Säue werfen
Verschwenden an jene, die es nicht wertschätzen


Bis an die Zähne bewaffnet sein
Schwer bewaffnet sein


Zwischen zwei Stühlen sitzen
Jemand kann keine Entscheidung treffen; jemand steht auf keiner Seite.


Sich um ungelegte Eier kümmern
Sich um etwas sorgen, was noch nicht eingetreten ist


Bei jemandem in der Kreide stehen
Jemandem etwas schuldig sein.


Ein Schaumschläger sein
Ein Angeber sein.


Auf glühenden Kohlen sitzen
Ungeduldig sein


Die Würfel sind gefallen
Etwas ist entschieden


Gegen den Strom schwimmen
Gegen die allgemeine Meinung aufbegehren


Er geht als wenn er Feuer im Hintern hat
Schnell gehen

Dienstag, 16. Oktober 2018 um 12:36:04 von Kulturpool Redaktion

Rudolf, der Fälscher

Anlass
Privilegium Maius

Rudolf, der Fälscher

Das Privilegium Maius und Rudolf IV. der Stifter

Erst nach 15 Jahren ehelicher Bemühungen einen Nachkommen zu zeugen, gelang es Albrecht II, der aufgrund seiner zeitweiligen Lähmungen auch Albrecht, der Lahme, genannt wurde, 1339 einen die ersten Tage überlebenden Sohn auf die Welt zu bringen. Als dieser Bann durch die Geburt Rudolfs gebrochen wurde, folgten fast im zwei Jahresrhythmus noch eine Vielzahl von Kindern, unter ihnen die drei Brüder Friedrich III, Albrecht III und Leopold III.


Rudolf IV der Stifter, Herzog von Österreich, aus der Porträtsammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Rudolf IV genoss von klein auf eine profunde Ausbildung und war unter anderem des Schreibens mächtig, was unter den Adeligen dieser Zeit keineswegs selbstverständlich war. Mit 9 Jahren wurde er mit Katharina von Luxemburg verlobt, der Tochter Karl IV, damals zukünftiger König von Böhmen und aussichtsreichster Kandidat auf die Reichskrone.

Im Jahr 1353, mit 14 Jahren folgte die Hochzeit mit Katharina von Luxemburg in Prag, was Rudolf gleichzeitig zum Schwiegersohn Karl IV machte. Als König von Böhmen, zwei Jahre bevor dieser auch römisch-deutscher Kaiser wurde, war Karl IV aus dem Herrscherhaus der Luxemburger zu dieser Zeit bereits eine der bedeutendsten Gestalten des Spätmittelalters und zählte zu den einflussreichsten Herrschern seiner Zeit.


Karl IV., aus der Sammlung REALonline des Institutes für Realienkunde


Kaiser Karl IV., aus der Sammlung REALonline des Institutes für Realienkunde

Rudolfs Vater Albrecht II hat es auf eine Annäherung der beiden Häuser Luxemburg und Habsburg angelegt, die sich zuvor aufgrund Streitigkeiten beim habsburgischen Erwerb Kärntens und der Krain ergeben haben. Durch die Vermählung ihrer Kinder ließen sich die Zerwürfnisse aus dem Weg räumen.

Als Schwiegersohn des Böhmischen Königs und späteren Kaisers genoss er anfänglich dessen wohlwollende Protektion, was zu einer weiteren Steigerung des Selbstbewusstseins des jungen Fürsten Rudolf IV führte. Er war sich nicht nur seiner gesonderten Position im Reich bewusst, sondern auch seiner Möglichkeiten, mit der Rudolf die Positionierung seiner Familie im europäischen Mächtezirkel vorantreiben wollte und konnte. Dies auf ein Niveau, das ihm seiner Ansicht nach aufgrund der Herrschaftsbereiche des Hauses Habsburg zu dieser Zeit bereits zustehen sollte.

Rudolf IV war, durch die von seinem Vater erlassene Albertinische Hausordnung, zur Herrschaft ihrer Besitzungen zwar nur zur gesamten Hand, im Sinne etwa eines heutigen „geschäftsführenden Gesellschafters“, ermächtigt, er ließ sich von seiner Position als Ältester allerdings nicht dreinreden und führte de facto alleine die Agenden der Familie.

Viele große Besitzungen, jedoch insgesamt sehr verstreute Ländereien zählten bereits zu dem Herrschaftsbereich der Habsburger: Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain sowie die Vorlande, also der Stammbesitz in Schwaben und im Aargau. Die Albertinische Hausordnung versuchte mit der Regelung eines Herrschens zur gesamten Hand die Gefahr abzuwehren, durch zukünftig zu erwartende Erbaufteilungen es zu weiteren Teilungen ihrer Herrschaft kommen zu lassen und schützte die Gesamtheit ihrer Ländereien mit diesem Erlass.

Rudolf IV erwarb in seiner Herrschaftszeit mittels Erbvertrags mit Margarete „Maultasch“ das Land Tirol, was ein wichtiges Bindeglied für die Besitzungen der östlichen und westlichen Territorien war.

Neben den ehrgeizigen Plänen seine direkten Herrschaftsbereiche betreffend, ließ Rudolf IV auch eine Vielzahl an nachhaltigen Gründungen und Stiftungen bauen. Die „Alma Mater Rudolphina“ als zweitälteste Universität im deutschsprachigen Raum, den Ausbau Wiens zur Residenzstadt, welcher die Position als politischer und kultureller Mittelpunkt des Habsburgerreiches stärkte sowie den Ausbau der Wiener Stephanskirche zum Dom. Daher lässt sich auch sein Beiname „der Stifter“ ableiten. Auch in seiner Wirtschaftspolitik verfolgte er ehrgeizige Pläne und ermöglichte zahlreichen Landstädten mit der Ausstattung von Sonderrechten eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Mit dem „Wiener Pfennig“ schuf Rudolf IV auch eine relativ stabile Münzeinheit.


Rudolf IV. besucht den Bau des St. Stefansdomes, aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Es muss Rudolf IV sehr schwer beleidigt und gekränkt haben, als sein Schwiegervater Karl IV, 1356 die Goldene Bulle verfasste, das wichtigste Reichsgrundgesetz zur deutschen Königswahl und er darin im Gegensatz zu anderen Fürsten des Reiches keine Erwähnung fand.


Cod. 338 (Faks.), fol.33v: Goldene Bulle u. a., aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Die Goldene Bulle legte die Wahlordnung für die Königswahl im Reich fest und bedeutete für einige Reichsfürsten, die nun zu Kurfürsten ernannt wurden, einen großen Privilegien- und Machtzuwachs. Das Haus Habsburg wurde dabei nicht erwähnt, was bei Rudolf IV nicht nur Unverständnis zur Folge hatte, sondern Motivation mit eigenen Mitteln dagegen anzukämpfen bedeutete.

Schließlich war sein Großvater Albrecht I ein König gewesen und die Habsburger beherrschten wesentliche Gebiete im Osten und Südosten des Reiches und zählten jedenfalls bereits zu den mächtigsten Herrschergeschlechtern jener Zeit. Ehrgeizig, gebildet und jung wollte er die empfundene Schmach nicht auf sich sitzen lassen und erdachte sich einen einmaligen Coup, der seine Stellung im Reich zur gewünschten Positionierung und Konsolidierung führen sollte. Mit einer Fälschung von vermeintlich bestätigten Privilegien erdachte er sich, die ihm gebührende Rangordnung innerhalb des Reiches herzustellen und ihn mit jenen Privilegien auszustatten, über die die Kurfürsten bereits verfügten.

Das Privilegium de non evocando (Mit dem privilegium de non evocando – dem Privileg des nicht geladen Werdens – gab der Deutsche König bzw. Römisch-deutsche Kaiser ein Teil seiner Gerichtsgewalt an den jeweiligen Landesherrn ab, Anm. d Red.) hatte zwar auch schon der habsburgische Landesherr Herzog Albrecht II (1330 – 1358) erlangt. Der anderen Vorrechte der Kurfürsten waren die Habsburger jedoch nicht teilhaftig. Auch die Prinzipien der Unteilbarkeit und der Primogenitur galten für die habsburgischen Länder nicht. Herzog Albrecht II hatte in seiner Albertinischen Hausordnung 1355 im Gegenteil bestimmt, dass ihm seine vier Söhne zur gesamten Hand in der Herrschaft nachfolgen sollten.

Als Albrecht II 1358 starb, war nur sein ältester Sohn Rudolf IV alt genug, die Herrschaft ergreifen zu können. Zur Rechtfertigung seiner Alleinherrschaft und der Zurücksetzung seiner Brüder sowie allgemein von dem Motiv geleitet, die reichsrechtliche Stellung der Habsburger jenen der Kurfürsten anzugleichen, ließ der politisch aktive Herzog in seiner Kanzlei eine Urkundensammlung fälschen, die die seinen Vorstellungen entsprechende Position des habsburgischen Landesherrn rechtlich untermauern sollte.

(Rudolf Hoke, Österreichische und deutsche Rechtsgeschichte, Böhlau, S. 87-88)

Rudolf IV war gerade einmal 18 Jahre alt, als er sich ans Werk machte, einen „Remix“ aus den wichtigsten Dokumenten, auf denen Teile seiner Herrschaft fußten, mit gefälschten Urkunden zu gestalten, um eine neue Grundlage für seinen Herrschaftsraum in der Hand zu haben.

Ausgegangen wurde vom „privilegium minus“, jener berühmten Urkunde, mit der Kaiser Friedrich Barbarossa das noch von den Babenbergern beherrschte Gebiet zu einem von Bayern abgetrennten und unabhängigem Herzogtum erheben ließ.

Fünf weitere Urkunden ließ Rudolf fälschen, die seine Ansprüche untermauern sollten:

Ein Brief Friedrich Barbarossas, der das privilegium minus mit den damit verbundenen neuen Rechten bestätigte sowie weitere Bestätigungen von den Königen Heinrich VII im Jahr 1228, Friedrich II im Jahr 1245 und Rudolf I aus dem Jahr 1283.

Rudolf IV legte eine weitere Urkunde vor, in der Kaiser Heinrich IV im Jahr 1058 einen Brief bestätigt, der Österreich mit besonderen von den römischen Herrschern Cäsar und Nero verliehenen Privilegien ausstattete.

Kaiser Karl IV überprüfte die Schriftstücke von seinen Gelehrten und kein geringerer als der italienische Frühhumanist Francesco Petrarca erkannte den Schwindel und verhöhnte diesen gewagten Betrug mit den Bestätigungen der römischen Cäsaren gehörig.

Selbst die Zurückweisung dieser Urkunden und die damit fehlende Anerkennung seiner gewünschten Rechte hielten Rudolf nicht ab, den Fantasietitel, den er sich für das Haus Habsburg mittels seiner Fälschungen kreierte, zu tragen. Den Titel „Palatinatus archidux“ zu führen, was in etwa Pfalzerzherzog bedeutet, wurde ihm von seinem Schwiegervater untersagt. Nicht widersprochen wurde der auch von ihm selbst ernannte Titel eines Herzogs von Krain, was zur Folge hatte, dass Rudolf neben Österreich, Steiermark und Kärnten dadurch auch ein viertes habsburgisches Herzogtum innehatte, die Krain.

Damit nicht genug, brauchte er auch in Zeremoniell und Kleidung Zeichen und Symbole, die seiner neuen gehobenen Stellung Rechnung tragen würden und er schuf sich den kronengleichen Erzherzogshut. Dies führte letztendlich zu einem Konflikt mit Kaiser Karl IV, der Rudolf wiederholt das Führen dieser Titel und Symbole verbieten ließ.
Ein Jahrhundert später erst, bestätigte sein Nachfahre Kaiser Friedrich III die von Rudolf erschlichenen Privilegien. Dies erlaubte den Habsburgern unter anderem sich ab dann mit dem Titel „Erzherzog“ zu schmücken.


Österreichischer Erzherzogshut Josefs II. von 1764, Karkasse, aus der Sammlung der Weltlichen Schatzkammer, Kunsthistorisches Museum Wien

Ausstellungstipp:

Falsche Tatsachen

Das Privilegium Maius und seine Geschichte

Der Wunsch, mit Hilfe falscher Behauptungen Tatsachen zu schaffen, ist nicht nur in unserer Zeit allgegenwärtig, sondern wohl so alt, wie die Menschheit selbst. Er liegt auch der bekanntesten Urkundenfälschung der österreichischen Geschichte zugrunde, welche das Selbstverständnis des Hauses Habsburg im Gefüge der politischen Großmächte Europas bis 1918 wesentlich prägte und als Schöpfung eines jungen und ehrgeizigen Politikers bis heute fasziniert: dem sog. „Privilegium Maius“.

Alle fünf Teile dieses Dokumentenkomplexes, den Herzog Rudolf IV. der Stifter (1339-1365) in Auftrag gab, werden mit dieser Ausstellung im Jahr des Europäischen Kulturerbes erstmals überhaupt gemeinsam gezeigt. Ergänzt wird die Präsentation durch so spektakuläre Leihgaben, wie einem Exemplar der zum UNESCO-Weltdokumentenerbe gehörigen „Goldenen Bulle“ oder dem Standbild Rudolfs IV. vom Singertor am Stephansdom.

Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums in Kooperation mit dem Österreichischen Staatsarchiv.

Samstag, 29. September 2018 um 16:34:17 von Kulturpool Redaktion

3-faches Gold

Anlass
Der Herbst und seine Farben

3 -faches Gold

Das goldene Herbstlicht inspiriert zur Beschäftigung mit der Farbe Gold. Gold in der Malerei lässt sich bald mit Gustav Klimt assoziieren, dem wichtigsten Protagonisten der Wiener Moderne, dem Goldenen Zeitalter Wiens.

Die Goldene Jahreszeit, das goldene Zeitalter und die Goldene Periode


Herbst, Maximilian Liebenwein (zugeschrieben), aus der Graphischen Sammlung der Albertina

Der Herbst verordnet der Natur eine Vegetationsruhe, um neue Kraft für den Winter zu sammeln. Das Wasser saugt der Baum aus der Erde vom Boden bis zu den Blättern hinauf, wo es, nach Verteilung der Salze und Nährstoffe durch die Öffnungen der Blätter wieder verdunsten kann. Im Winter herrscht Stillstand und das Wassertransportsystem ruht, damit in den frostigen Phasen die Blätter nicht erfrieren und der Baum verdursten muss. Es setzt die Photosynthese für diese Zeit aus und bewirkt, dass die Blätter keine Grüntöne mehr bilden können. Stattdessen färben sich die Blätter – je nach Baumart – feuerrot, wie etwa die Blutbuche beziehungsweise orange, braun, gelb bis hin zu den goldartigen Farbspektren, mit denen der Herbst ganze Landschaften in neues Licht setzt. Ein Spaziergang durch einen Laubwald in der Goldenen Jahreszeit bringt das ganze Farbspektrum zur Geltung. Die Sonne liegt viel tiefer als in den vorhergehenden Monaten, die Tage und Nächte gleichen sich in ihrer Verweildauer einander an und die Natur zeigt noch einmal deutlich, welche Kraft und Farbglanz in ihr liegt. Eine wichtige Inspirationsphase seit jeher für Künstler und Künstlerinnen und Komponisten und Komponistinnen. Die Goldene Jahreszeit wird ihrem Namen gerecht.


Birkenwald, Gustav Klimt, Österreichische Nationalbibliothek

Das Goldene Zeitalter „aurea saecula“ beschreibt als mythologischen Begriff den Idealzustand der friedlichen Urphase der Menschheit vor der Entstehung der Zivilisation. Der Mensch galt als ideal in seine Umwelt eingebettet und die zivilisatorischen Plagen wie Krieg, Verbrechen, Neid, waren der Menschheit in dieser Phase unbekannt. Das Goldenes Zeitalter beschreibt die Phase einer Entwicklung- und Entstehungsgeschichte, die mit der bestmöglichen Entfaltung des Menschen einher geht. Wien, als Hauptstadt eines Vielvölkerstaates sowie auch im Hinblick auf die vielen neu entstehenden Kunstrichtungen war Ausgangspunkt und Schmelztiegel vieler neuer Bewegungen, Erfindungen und geistiger Strömungen. Die Zeit der Wiener Moderne darf man durchaus als das Goldene Zeitalter dieser Stadt sehen. Und an vielen Stellen und Orten, hat sich in Form von Ornamenten, Bildern, architektonischen Meilensteinen das Gold in der Stadt manifestiert und sich selbst ein Denkmal gesetzt. Das Gold des Fin de Siécle lässt sich auch als wesentlicher Bestandteil und bestimmender Farbton der Ära des Jugendstils sehen und schätzen.

Als Sohn eines Goldgraveurs wurde Gustav Klimt seine Nahebeziehung zur Farbe Gold bereits in die Wiege gelegt. Er hätte in die beruflichen Fußstapfen des Vaters treten sollen, doch ein Stipendium an der Wiener Kunstgewerbeschule des k. u. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie eröffnete ihm andere Möglichkeiten und Wege.
Das Gold, als maßgeblicher Farbton in seinem Schaffen, lässt sich in vielen seiner wichtigsten Werke erkennen.

Seine Anziehung zu diesem Farbstoff mit all seinen Facetten und Anwendungsmöglichkeiten prägte auch seine wichtigste Schaffensphase, die konsequenterweise die „Goldene Periode“ genannt wird. Anfangs lernte er die Kunst des Historismus auf der Hochschule kennen und auch in diesem Stil konnte er bereits erste Erfolge erzielen und Anerkennung für sich gewinnen. Jedoch, es zieht ihn in weitere Stilwelten und er findet im Jugendstil, zu dessen bedeutendstem Vertreter er zählt, seine künstlerische Entfaltung und erfülltesten persönlichen Ausdruck.

Die Werke der „Goldenen Periode“ (z.B. der Beethoven Fries oder der „Kuss“) als auch seine Landschaftsbilder ebneten ihm den Weg in seiner Entwicklung zur Moderne. Klimt lässt sich viel von der Natur inspirieren und verbringt auch viel Zeit in ihrer Umgebung. Viele Motive, Ornamente und Abbildungen zeugen von der unmittelbaren Wirkung der Natur auf seine Werke. Viel Blattgold begleitete Klimt in seiner Goldenen Periode.

Der Beethoven Fries, über 34 Meter lang und über 2 Meter hoch, ist eines der wichtigsten Werke seiner Goldenen Periode. Ein Wandgemälde über die Sehnsucht der Menschheit nach Glück aus der Wiener Secession. Ein Ritter in goldener Rüstung schützt eine schwache und arme Familie vor den sie umgebenden und gefährdenden „bösen Mächten“.


Beethovenfries, Ausschnitt, Ritter, Gustav Klimt, Belvedere, Wien / Leihgabe in der Secession, Wien

Die Frage stellt sich, wieviel sein Schwert wirklich gegen Krankheit, Tod und Wahnsinn, gegen Ungeheuer, Wollust, Unkeuschheit und nagendem Kummer ausrichten kann. Erst Poesie und die mit ihr verbundene Musik stillt die tiefe menschliche Sehnsucht nach Glück. Diese Künste führen die Menschheit in ein „ideales Reich“, in dem sie „reine Freude, reines Glück, reine Liebe“ finden und erfahren dürfen.

Gustav Klimt verwendete eine Ölvergoldung, um eine starke flächige Wirkung des Goldes hervorzubringen. Der Untergrund wurde mit einer Grundierung isoliert und wahrscheinlich mit Poliment–Rot eingefärbtem Schellack verstärkt.
Um dem ganzen Bild seine dreidimensionale Wirkung zu geben, verwendete Klimt mit Pinsel (z.B. bei den Spiralen über dem Liebespaar) und Spachtel (z.B. die Bänder im Haarschmuck) aufgetragenen Stuckauflagen. Mit Glutinleim verstärkter Kreidegrund (also gleich Stuckauflagen) sind auch das Klebemittel für die Applikationen. Als Anlegemittel für das Gold verwendete er Eigelb. Gustav Klimt arbeitete mit einer doppelten Vergoldung. Die Materialkompositionen inklusive des Goldgehalts sind heutzutage nicht mehr im Original erhältlich. Die doppelte Farbkraft hatte neben der ästhetischen Wirkung auch einen farbkonservatorischen Gedanken als Beweggrund. Der Beethovenfries gehört zu den am besten erforschten und dokumentierten Werken Gustav Klimts.

Gustav Klimt war bereits zu Lebzeiten ein sehr erfolgreicher Maler, lebte aber relativ bescheiden. Reinen Luxus gönnte er sich nur bei seiner Materialwahl und farblichen Ausstattung. Teilweise verwendete er selbst für reine Vorzeichnungen echtes Blattgold und Blattplatin.


Beethovenfries, Gustav Klimt, Wiener Sezession


Beethovenfries, Gustav Klimt, Wiener Sezession

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